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„KIV-EN Aktuell“ Dezember 2018

KIV-EN Aktuell" der monatliche Newsletter rund um die Biene"kiv aktuell

 von Dr. Gerhard Liebig am 14. Dezember 2018

 Aktuelle Tipps zur Bienenpflege

Die Völker sind brutfrei

Der November war  ab der Monatsmitte fast zwei Wochen lang frostig kalt und verabschiedete sich sehr mild. So begann auch der Dezember (Abb. 1).  Anfang dieser Woche wurde es kälter und nachts frostig-kalt. So soll es auch bleiben. Laut aktueller Wetterprognose bestehen Aussichten auf  „weiße Weihnachten“.
Bei der seit Anfang dieser Woche an vielen Bienenständen durchgeführten Völkerkontrolle saßen die Bienenvölker in der Wintertraube. Völker mit ein paar verdeckelten Brutzellen wurden nur am Montag ab und zu entdeckt, vorgestern (Mi) und gestern (Do) nicht mehr. Offensichtlich sind die Völker  brutfrei, was mit der wissenschaftlich fundierten Theorie übereinstimmt.
In der frostig-kalten Periode mit Nachtfrösten, die in 2018 von Mitte November bis Ende November dauerte (Abb. 1), haben die damals noch brütenden  Völker offensichtlich das Brüten eingestellt.  Drei Wochen später sollten sie dann brutfrei sein, wenn das milde Intermezzo Anfang Dezember sie nicht veranlasst hat wieder zu brüten. Das scheint nach den in dieser Woche erhobenen Stichproben nicht der Fall zu sein. Damit kann man davon ausgehen, dass weit verbreitet seit dem 10. Dezember allgemeine „Brutfreiheit“ herrscht.
Wenn die Wetterprognose zutrifft, bleibt es die nächsten Tage nachts frostig-kalt  ... und die Völker  bleiben vorerst brutfrei.
Diese Zeit kann für die sogenannte „Restentmilbung“ genutzt werden.


Am besten wartet man die weitere Wetterentwicklung ab und achtet auf die Wetterprognose. Falls der Wetterbericht ansteigende Temperaturen vorhersagt, wird die „Träufelbehandlung“ mit Oxalsäure durchgeführt, bevor es mild wird. Wenn es durchgehend kühl werden und bleiben sollte, kann man bis kurz vor Weihnachten warten. 

essenAbb. 1. Der Verlauf der nächtlichen Tiefsttemperatur in Essen kopiert am 13. Dezember von der Website https://www.wetteronline.de/wetterdaten/bochum

 

Worauf zu achten ist

Es ist empfehlenswert, vor und nach der Behandlung eine Gemülldiagnose durchzuführen. Vor der Behandlung gibt sie Auskunft darüber, wie stark ein Bienenvolk von der Varroamilbe befallen ist, wo es sitzt und wie viele Wabengassen es besetzt. Dazu sollte die Windel im Winter mindestens (4-)7 Tage einliegen.

Der durch die Oxalsäurebehandlung ausgelöste Milbenfall hält bis zu 4 Wochen an. Sein Maximum tritt zwischen dem 2. und 4. Tag nach der Behandlung auf. Etwa 80% der bekämpften Milben fallen innerhalb einer Woche. Dieser Zeitraum genügt, um den Behandlungserfolg der „Restentmilbung“ zu beurteilen. Danach werden die Windeln gezogen und die Völker über offenem Gitterboden geführt. Die Windeln werden erst wieder im Sommer gebraucht, um den natürlichen Milben(ab)fall zu erfassen. 

Wie die Behandlung durchgeführt wird ist auch im Film „Die Restentmilbung mit Oxalsäure“ (https://www.immelieb.de/videos/varroabekampfung/oxalsaeure-traeufeln-im-winter/) zu sehen.
50 ml der nach Gebrauchsanleitung hergestellten Oxalsäure-Lösung  werden mit einer Spritze aufgezogen und mit feinem Strahl in die von Bienen dicht besetzten Wabengassen gespritzt. Je nach Stärke wird ein Volk mit 30-50 ml behandelt. Starke Völker, die bei Frost in 6 oder 7 Wabengassen sitzen, erhalten 50 ml. Völker, die nur in 3-5 Wabengassen sitzen, erhalten 30 ml Lösung. Beim Einbringen dieser Mengen fährt man die besetzten Waben mit der Spritze zweimal ab.

Wenn man unmittelbar vor der Behandlung eine saubere Windel eingeschoben hat kann man sofort nach der Behandlung auf der Windel überprüfen, ob und wo man Lösung „daneben gespritzt“ hat. Beim nächsten Volk besser machen.... 

Die Behandlung wird nicht wiederholt! Auch dann nicht, wenn sie einen sehr hohen Milben-Abfall von vielen hundert und mehr Milben auslöst. In solchen Fällen muss das Behandlungskonzept im Spätsommer/Herbst überdacht und korrigiert werden.

Wenn der natürliche Milbenfall im Dezember unter 0,5 Milben pro Tag liegt, kann auf die „Restentmilbung“ verzichtet werden. Diese Einschätzung wurde bisher immer wieder bestätigt, wenn der Milbenfall nach der „Restentmilbung“ mit dem Varroabefall der Völker im folgenden Spätsommer/Herbst verglichen wird. Die Völker ohne „Restentmilbung“ sind im folgenden Spätsommer im Durchschnitt nicht stärker von der Varroamilbe befallen, wenn bei ihnen der natürliche Milbenfall im Dezember unter 0,5 Milben/Tag gelegen hat. Das wird auch für 2018/19 im Rahmen der laufenden Feldstudie überprüft.


Dr. Gerhard Liebig, Bochum, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!