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„KIV-EN Aktuell“ vom November 2018

KIV-EN Aktuell" der monatliche Newsletter rund um die Biene"kiv aktuell

 von Dr. Gerhard Liebig im November 2018

 Aktuelle Tipps zur Bienenpflege

Das neue Bienenjahr hat begonnen

In Kürze
Das Wetter: 
Wie in 2017 hatte der Oktober auch in 2018 eine „goldene“ Phase. Sie begann früher und dauerte deshalb länger als im Vorjahr. „Hier im Westen“ war auch der November  bis zur Monatsmitte überdurchschnittlich warm. Laut Wetterprognose soll der November „frostig kalt“ zu Ende gehen. Wenn noch nicht geschehen vorher Mäuseschutz anbringen!

Die Völker: Etliche Völker (nicht alle!) haben relativ lang relativ viel gebrütet und brüten noch. Sie verbrauchten und verbrauchen deshalb relativ viel Futter. Dann kann es im Frühjahr leicht knapp werden, besonders dann, wenn die Völker nur in einer Zarge überwintert werden. Deshalb sollte der Futtervorrat kontrolliert und wenn notwendig nachgefüttert werden.
Die Varroamilbe: Der Varroabefall der Völker war und ist sehr unterschiedlich. Der Milbenfall nach den im Spätsommer/Herbst durchgeführten Behandlungen schwankt zwischen weniger als hundert und vielen Tausend Milben. Über die Ursachen dieser Unterschiede, die häufig an einem Stand auftreten (ein Beispiel ist mit den  Abbildungen 1 und 2 dargestellt), kann vorerst nur gerätselt werden.

Auf die Futterversorgung achten!

Die fast durchweg sommerliche Witterung im Oktober hatte die Völker zum verstärkten Brüten angeregt.  Viele Völker unterhalten zurzeit mehr Brut als normal und verbrauchen deshalb auch relativ viel Futter.
Deshalb gilt es, die Futterversorgung der Völker im Auge zu behalten und, wenn notwendig, nachzufüttern. Das gelingt im Spätherbst bei klein gehaltenen Fluglöchern am besten „von unten“. Dazu wird eine flache Schale (manche Grillschalen fassen 3 Liter) in den Gitterboden gestellt (möglichst weit weg vom Flugloch) und mit Sirup oder Zuckerwasser gefüllt. Es darf nichts überlaufen, auch dann nicht, wenn anschließend die unbedingt notwendige Schwimmhilfe (Korken, klein geschnittene Zweigstücke, trockenes Laub, Gras) aufgelegt und das zuvor abgehobene Volk wieder auf den Boden gesetzt wird.
Normalstarke Völker leeren eine Schale mit 2 Liter Sirup innerhalb eines Tages. Während der Leerung und Einlagerung des Futters wird eine eingeschobene Windel feucht und nass. Wenn die Windel trocken bleibt wurde bzw. wird das Futter nicht angerührt. Dann sollte die mit Sirup gefüllte Schale näher unter den Sitz der Bienentraube geschoben werden.
Unter der Schale bleibt die Windel frei von Gemüll und von Milben. Das sollte bei einer während der Nachfütterung durchgeführten Gemülldiagnose bedacht werden.
Es gibt auch einen auf YouTube eingestellten Kurzfilm  „Nachfüttern von unten“.

Mehr Brut = mehr Milben!

Diese Gleichung gilt während der gesamten Brutperiode. Deshalb ist zu erwarten, dass die Varroamilbe sich im zu Ende gehenden Herbst stark vermehrt hat und viele Völker mit mehr Milben in den Winter gehen als sonst. Wenn die im Spätsommer/Frühherbst durchgeführten Behandlungen schlecht gewirkt haben, dann kann der Varroabefall in den noch brütenden Völkern im Spätherbst die Schadensschwelle überschreiten.
Wer beobachtet weiß Bescheid. Deshalb sollte der Varroabefall auch im Spätherbst durch regelmäßige Gemülldiagnose überwacht werden.
Weil Ameisen und Ohrwürmer im Spätherbst nicht mehr aktiv sind darf die Windel länger als in der warmen Jahreszeit einliegen. Sie sollte sogar länger einliegen, damit sich mehr Gemüll ansammelt und Unterschiede zwischen den Völkern besser zu erkennen sind; denn dann dient das Gemüllbild auf der Windel auch dazu, Sitz und Stärke der Bienentraube zu beurteilen.

Der tägliche Milbenfall sollte im Spätherbst in noch brütenden Völkern unter 5 Milben/Tag liegen. Beim Milbenzählen achte man auch auf das Auftreten heller Milbenstadien, die wie die dunklen Altmilben die für die Varroamilbe typische breitovale Form besitzen. Helle Milbenstadien im Gemüll signalisieren, dass befallene Brut geschlüpft ist und das betreffende Volk noch brütet (oder gebrütet hat).

Einige Völker stellen im Spätherbst das Brüten ohne erkennbaren äußeren Anlass ein. Andere Völker (in der Regel sind sie in der Mehrheit) tun das erst während einer Kaltwetterperiode mit frostigen Nächten, die die Königin dazu bringen, keine Eier mehr zu legen, und die Ammenbienen, die die zuvor gelegten Eier aufzufressen.
Diese kalten Nächte sollen „hier im Westen“ in bzw. ab der dritten Novemberdekade auftreten.

Etwa drei Wochen nach einem solchen (ersten) Kälteeinbruch herrscht allgemeine Brutfreiheit. Dann kann eine „Restentmilbung“ erfolgen. Mit ihr soll dafür gesorgt werden, dass die Völker mit möglichst wenigen Milben überwintern, damit vor August des folgenden Jahres keine Varroabehandlung notwendig ist.

Wie in 2017 wird auch in 2018 eine Feldstudie über den Varroabefall im Spätherbst und das Ergebnis der „Restentmilbung“ durchgeführt. Die Daten helfen vielleicht, die Befallsentwicklung im kommenden Jahr zu verstehen. Wer mitwirken will möge bitte Kontakt mit mir aufnehmen. 

Dr. Gerhard Liebig, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Abb. 1. Volksstärke, Futtervorrat und Milbenabfall nach Behandlungen am Bienenstand P-I in der Kanalzone des Ruhrgebietes im Oktober 2018. Die 10 Altvölker wurden am 19. Oktober nach der Liebefelder Methode geschätzt (Mw = Mittelwerte). Volk 3 war Ende August ohne Brut und wurde deshalb sofort auf eine Zarge eingeengt, erhielt eine Weiselprobe und, als diese positiv ausfiel, eine begattete Jungkönigin. Der brutfreie Zustand wurde für eine Behandlung mit Oxalsäure genutzt. Nach dieser Behandlung fielen lediglich 3 Milben. Zwei Völker hatten sehr viele Milben, von denen das eine (Volk 6) anscheinend sehr stark unter dem Milbenbefall gelitten hat, das andere (Volk 10) offensichtlich gar nicht.
Volk 3 wurde Ende Oktober/Anfang November zweimal nachgefüttert.   

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Abb. 2. Der Vergleich des natürlichen Milbenfalls am Bienenstand P-I Ende August mit dem durch Behandlung/en mit Oxalsäure ausgelösten Milbenfall. Die „Restentmilbung“ fehlt noch.


Dr. Gerhard Liebig, Bochum, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!